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Paranüsse – das Gold aus dem Regenwald.

Paranüsse
Paranüsse ohne Schale

Paranüsse, auch bekannt als Amazonenmandel oder Brasilnuss [1], sind in erster Linie die essbaren Samenkerne des Paranussbaumes, die von einer harten Schale umschlossen sind. In einer einzigen Kapselfrucht befinden sich circa zehn bis 25 Samen [2]. Botanisch betrachtet ist die Paranuss keine Nuss, sondern der Samen einer Kapselfrucht. Der Paranussbaum, der bis zu 50 Meter in den südamerikanischen Himmel ragen kann, war ursprünglich in den tropischen Regenwäldern Südamerikas verbreitet und kann bis zu 500 Jahren alt werden. [3] Bis der Baum die ersten Paranüsse hervorbringt, vergehen ungefähr 10 Jahre.

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Westen bis an den Fuß der Anden (Bolivien, Kolumbien und Peru), inklusive des brasilianischen Amazonastieflandes. In Venezuela, Suriname, Guyana und Französischen-Guayana gibt es im Norden noch einige Vorkommen. [4]

Die Paranuss verdankt ihren Namen der am Mündungsgebiet des Amazonas liegenden Hafenstadt Pará, was in der Indianersprache „Fluss-Meer“ (Pa’rá) bedeutet. In Brasilien heißt die Paranuss „castanha-do-pará“. Die ersten historischen Quellen, die auf die Paranüsse hindeuten, stammen aus dem Jahr 1569. In diesem Jahr sammelte ein spanischer Kolonialbeamter tausende dieser Nüsse für sein erschöpftes und hungerleidendes Militär. Aufgrund des hohen Energiegehalts und Nährwerts der Paranuss erholten sich die Truppen rasch. Schon im 17 Jahrhundert gelangten exotische Früchte, darunter auch die Paranüsse, durch holländische Seefahrer nach Europa. [5]

Wirtschaftlich gesehen ist der Paranussbaum eine der wichtigsten Pflanzen im Amazonasgebiet. Neben dem Gummi der Kautschukbäume, sind die nahrhaften Paranüsse die wichtigste Einnahmequelle der einheimischen Bevölkerung. Das tägliche Einkommen von über hunderttausend Einheimischen ist von der Paranuss abhängig. Wegen der beachtlichen Höhe des Paranussbaumes ist die Ernte insofern durchaus spannend, weil die Paranüsse ausschließlich durch Sammler vom Boden aufgelesen werden können. Im Schnitt kann ein Paranussbaum bis zu 8.000 Paranüsse hervorbringen. Die Erntemenge ist sowohl von seiner Größe als auch vom Alter abhängig. Die Erntezeit erstreckt sich über ein halbes Jahr während der Regenzeit. Darüber hinaus zählt das Holz des Paranussbaumes zu den begehrten Edelholzarten, die vor allem in den Industriestaaten hochpreisig verkauft werden können. Auf lange Zeit gesehen, stellen die Erlöse von Paranüssen den finanziell größeren Vorteil dar. Das ist auch einer der Gründe, warum der Paranussbaum kaum abgeholzt wird.

Die herabgefallenen Früchte werden von Agutis aufgeknabbert und die Samen anschließend gefressen. Die Agutis verschleppen die Paranüsse, finden später aber einen Großteil nicht mehr wieder und tragen so zur Ausbreitung der Art bei. Somit sind die Nager für das Überleben des Paranussbaumes von elementarer Bedeutung.


Sind Paranüsse wirklich giftig?

Immer wieder liest man, dass Paranüsse seien giftig. Aber was ist an der Behauptung wahr? Der mögliche Befall von Paranüssen mit Aflatoxinen ist eine viel diskutierte Thematik. Aflatoxine sind die toxischen Stoffwechselprodukte bestimmter Schimmelpilzarten (Aspergillus), die giftig sind und in fast allen landwirtschaftlichen Produkten vorkommen. Besonders bei den brasilianischen Paranüssen ist die Schale stark mit Schimmelpilzgiften (Aflatoxin B1) kontaminiert. Bereits in kleinen Dosen verursacht Aflatoxin B1 Leberkrebs und wirkt mutagen auslösend. Paranüsse mit Schale übersteigen häufig und vor allem in hohem Maße, die zulässigen, in der Europäischen Union festgesetzten Grenzwerte und stellen somit ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar. Daher hat die Europäische Kommission am 4. Juli 2003 für den Import von Paranüssen strenge Auflagen erlassen. Aufgrund dieser Auflagen, wird die Einfuhr von Paranüssen in der Schale, deren Ursprungsland Brasilien ist, stark reglementiert. Diese besagt, dass alle Paranüsse, die in die Europäische Union importiert werden, ein Gesundheitszeugnis vorweisen und mit einem Herkunftszertifikat versehen werden müssen. [6] Für den Konsumenten bedeutet dies, dass nur Paranüsse in den Verkehr gebracht werden dürfen, deren Gehalt an Kontaminanten die Höchstgrenze nicht übersteigen. Nichtsdestotrotz sollten Paranüsse, die bitter schmecken, alt, verfärbt oder dunkel-schimmelig aussehen, keinesfalls verzehrt werden. Um die Paranüsse möglichst frisch zu halten wird empfohlen, sie in einem luftdichten und lichtgeschützten Behälter aufzubewahren. Diese hohen Anforderungen übersteigen die Möglichkeiten der meisten südamerikanischen Produzenten. Aus diesem Grund ist der traditionelle Handel mit der Paranuss in der Schale stark zurückgegangen.


Sind Paranüsse gesund?

Nur einer der Gründe, warum Paranüsse gesund sind: Die nahrhaften Kerne gelten als die reichhaltigste Quelle für das essenzielle Spurenelement Selen. [7] Kein anderes natürliches Nahrungsmittel hat diesen wichtigen Stoff, so hochkonzentriert und auf kleinstem Raum zusammengepackt. Bereits mit nur einer Paranuss deckt man den Tagesbedarf an Selen zu über 147%. Paranüsse sind wie ein exakt zusammengestellter Cocktail aus Hunderten von Wirkstoffen. Sie sind dicht bepackt mit dem Besten, was die Natur überhaupt zu bieten hat.

Paranüsse sind äußerst energiereich. Neben 14% Protein enthalten diese Kerne insbesondere 66% Fett. Ihr hoher Fettgehalt wird häufig als sehr nachteilig angesehen. Entscheidend ist hier jedoch die Fettsäuren-Zusammensetzung. Das in den Paranüssen vorliegende Fett enthält überwiegend einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren, bei einem niedrigen Anteil an gesättigten Fetten. Wie fettreich die Paranüsse wirklich sind, kann man mit einem einfachen Experiment demonstrieren. Wenn man den Kern anzündet, so wird dieser minutenlang wie eine Kerze brennen. [8] Paranüsse sind eine gute Quelle für pflanzliches Eiweiß und leisten einen adäquaten Beitrag zur Proteinversorgung. Daher sind sie eine hervorragende Alternative zu Fleisch bei einer vegetarisch ausgerichteten Ernährungsweise.

Traditionsgemäß sind Paranüsse in vielen Ländern ein fester Bestandteil in der Küche. Beliebt auch als Zutat beispielsweise in Studentenfutter, Müsli oder auch in Nuss-Frucht-Mischungen. In neuerer Zeit und unter dem Aspekt fettreduzierter Ernährung, hatte der hohe Fettgehalt die nahrhaften Kerne fast zu einem Schattendasein verurteilt. Allerdings ist heute durch klinische Studien nachgewiesen, dass viele Krankheiten, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei zunehmenden Verzehr, vermindert werden.

Oft wird diskutiert, ob häufiger Nussverzehr zu einem unerwünschten Anstieg des Körpergewichts führen kann. Allerdings zeigen klinische Studien keinen Zusammenhang zwischen Nussverzehr und Übergewicht. Mögliche Gründe hierfür könnten die unvollständige Absorption des Fettes, der gute Sättigungseffekt durch den hohen Protein- und Ballaststoffgehalt oder ein möglicher Einfluss auf den Energiestoffwechsel sein. Sowie auch andere Nussarten, sind Paranüsse genauso gesund und lassen sich einfach in den Speiseplan integrieren. Bei maßvollen Verzehr ist grundsätzlich ist eine Gewichtszunahme nicht zu befürchten. Die mediterrane Ernährung hat es uns vorgemacht. Denn dort werden Nusskerne beim Kochen und Backen häufig verwendet. Sie eignen sich auch als Knabberei für zwischendurch. Im Rahmen der „5 am Tag“ Kampagne zählt eine Handvoll Nüsse von circa 25-30 Gramm als eine Portion.

Nährwertangaben pro 100g 
EinheitMenge
Energiekcal656
Proteing14.30
Gesamtfettg66.40
d. gesättigte Fetteg15.14
d. einfach ungesättigte Fetteg24.55
d. mehrfach ungesättigte Fetteg26.71
Kohlenhydrateg12.27
davon Zuckerg2.30
Ballaststoffeg7.50
Cholestering00.00
Mineralstoffe 
Kalzium (Ca)mg160
Eisen (Fe)mg2.40
Magnesium (Mg)mg376
Phosphor (P)mg725
Kalium (K)mg659
Natrium (Na)mg3
Zink (Zn)mg4.00
Kupfer (Cu)mg1.74
Mangan (Mn)mg1.22
Selen (Se)μg1917
Vitamine 
Vitamin Cmg0.70
Vitamin B¹ (Thiamin)mg0.62
Vitamin B² (Riboflavin)mg0.04
Vitamin B³ (Niacin)mg0.30
Vitamin B⁵ (Pantothensäure)mg0.18
Vitamin B⁶mg0.10
Folsäureμg22.00
Vitamin E (Tocopherol)mg5.73
Aminosäuren-Zusammensetzung  
Tryptophan0.141 g
Threonin0.362 g
Isoleucin0.516 g
Leucin1.155 g
Lysin0.492 g
Methionin1.008 g
Cystin0.367 g
Phenylalanin0.630 g
Tyrosin0.420 g
Valin0.756 g
Arginin2.148 g
Histidin0.386 g
Alanin0.577 g
Asparaginsäure1.346 g
Glutaminsäure3.147 g
Gylcin0.718 g
Prolin0.657 g
Serin0.683 g

*alle Angaben pro 100g. [9]


Selen – unser Schutzschild im Kampf gegen freie Radikale.

Was sind Antioxidantien?
Die Wirkung von Antioxidantien.

Selen ist ein chemisches Element. Es gehört zu den Halbmetallen. Im Jahr 1817 wurde Selen von Jöns Jakob Berzelius in einer Schwefelsäurefabrik entdeckt. Diese Substanz ist essenziell. Selen kann nicht vom Körper hergestellt werden und muss unbedingt über die Nahrung zugeführt werden. Pflanzen nehmen das Selen aus dem Boden auf und über die Nahrungskette gelangt es schließlich in den Körper des Menschen. Für unser Wohlergehen benötigen wir dieses Spurenelement in nur geringen Mengen. Selen zählt zu den Antioxidantien. Das sind wahre Zell-Booster, die unsere Zellen vor freien Radikalen schützen. Freie Radikale sind Molekülkomplexe, die in ihrer Struktur ein fehlendes Elektron aufweisen. Sie bilden sich ständig im Körper. Dabei attackieren freie Radikale rücksichtslos andere gesunde Zellen, um das benötigte Elektron zu entreißen. Der geschädigten Zelle fehlt nun ein Elektron und mutiert damit zwangsläufig zu einem weiteren freien Radikalen. Diese Schäden summieren sich und machen krank. Freie Radikale entstehen nicht nur beim Stoffwechsel. Starke Sonnenbestrahlung löst sie in der Haut aus. Raucher inhalieren mit jedem Zug an einer Zigarette ungefähr 1.000.000.000.000.000 (1 Billarde) freie Radikale. Natürliche Substanzen, wie Vitamin A, C, E, Carotinoide, Eisen, Zink und Selen, sind in der Lage freie Radikale abzuwehren. Man bezeichnet sie als Antioxidantien oder Radikalenfänger. Antioxidantien kann man sich als Zell-Polizei vorstellen, die freie Radikale abfängt und diese unschädlich macht, bevor sie überhaupt Unheil anrichten können.


Wann benötigen wir Selen?

Freie Radikale gelten heute als „Krankmacher Nr. 1“. Sie sind für das Entstehen vieler Krankheiten verantwortlich. Vorzeitiges Altern, Arterienverkalkung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Entzündungen, Rheuma und Krebs wird ihnen angelastet. Falls freie Radikale bis in den Zellkern vordringen, beschädigen sie lebenserhaltende Gene. Vor solchen Schäden kann uns Selen schützen.

Neue klinische Studien deuten daraufhin, dass Selen insbesondere bei Krebserkrankungen einen hohen Stellwert hat. Durch die Abwehr von freien Radikalen verhindert Selen die Entartung von Zellen. Weiterhin zeigten klinische Studien, dass eine hohe Selenzufuhr (täglich bis 200 mcg), die Zahl der Krebserkrankungen reduziert. Neben den Schutz vor Krebs, stärkt Selen die körpereigenen Heilungskräfte. Es stabilisiert und aktiviert das Immunsystem. Das Spurenelement fördert den Selbstmord kranker Zellen und unterstützt die Entgiftung von Schadstoffen. Darüber hinaus ist Selen als Begleitbehandlung parallel zur Chemo- oder Strahlentherapie wirksam. Die Nebenwirkungen können deutlich vermindert werden. [10] Mehr über freie Radikale findest Du hier.


Wie viel Selen brauchen wir?

Referenzwerte für Selen
Selen
μg pro Tag
AlterMännerFrauen
Kinder
1 bis unter 4 Jahren15
4 bis unter 7 Jahren20
7 bis unter 10 Jahren30
10 bis unter 13 Jahren45
13 bis unter 15 Jahren60
Jugendliche und Erwachsene
15 Jahren und älter7060
Schwangerschaft & Stillzeit
Schwangere60
Stillende75
Erhöhter Bedarf: Vegetarische Ernährung, Rauchen, Sport, Schwermetallbelastung, Entzündungen

Selen und die Schilddrüse.

Eine Schilddrüsenunterfunktion entsteht durch eine langfristig verringerte Produktion von Schilddrüsenhormonen. Allgemeine Symptome sind kalte Hände und Füße, depressive Zustände sowie Antriebslosigkeit und Ermüdungserscheinungen. Das Spurenelement Selen ist das Schutzelement für die Schilddrüse. Denn die höchste Selenkonzentration findet man in der Schilddrüse. Somit zählt die Schilddrüse zu den Organen mit dem höchsten Gehalt an antioxidativ wirksamen Selenenzymen. Dies liegt daran, dass sich bei der Synthese von Schilddrüsenhormonen reaktive Sauerstoffspezies in hohem Maße bilden. Bei der Synthese der Schilddrüsenhormone T3 und T4 spielt Selen eine elementare Rolle. Ein Mangel kann zwar eine chronische Entzündung der Schilddrüse (Hashimoto) nicht auslösen, aber jedoch stark begünstigen. Der Selenspiegel betroffener Personen ist zum Teil stark verringert. Eine tägliche Selenzufuhr unterstützt die Rückbildung des Normalzustandes der Schilddrüse und zeigt positive Wirkungen. Und Paranüsse enthalten mehr als genug davon. Pro 100g enthalten Paranüsse 1917 Mikrogramm Selen. Demzufolge würde man bereits mit nur zwei bis vier Paranüssen pro Tag problemlos, die für den besonderen Bedarf notwendige Zufuhrmenge aufnehmen. [12]


Literaturverzeichnis

[1] Wikipedia, Andere Bezeichnung für Paranüsse, Online im Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Paranussbaum
[2] R. Lieberei, C. Reisdorff: Nutzpflanzen, Stuttgart: Thieme Verlag, ISBN 978-3-13-530408-3, S. 226
[3][4] Wikipedia, Die Verbreitung, Online im Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Paranussbaum
[5] Schwarz, G., Gesund mit Nüssen, Herbig Verlag, ISBN: 978-3-7766-2701-5
[6] Entscheidung der Kommission. 4. Juli 2003, Online im Internet: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=uriserv:OJ.L_.2003.168.01.0033.01.DEU
[7] Wikipedia, Selengehalt von von Paranüssen, Online im Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Paranussbaum
[8] Veit, M., Steinecke, H., Berholletia excelsa – Paranuss, eine Art der Affentopfgewächse, (2011), S. 185, Online im Internet: https://www.botanik-bochum.de/jahrbuch/Pflanzenportraet_Bertholletia_excelsa.pdf
[9] USDA National Nutrient Database for Standard Reference, S. 42-44
[10] GfBK-Info, Selen pdf, Online im Internet: www.biokrebs.de
[11 + 12] Dr. Schmidbauer, C., Mikronährstoff-Coach, S. 495/496, Verlagshaus der Ärzte